Schleifen recherchiert
Schleifstein abrichten: so bleibt er plan
Kurze Antwort: Jeder Wasserstein wird in der Mitte hohl. Kurz nach jeder Schleifsitzung abrichten ist einfacher, als einen stark ausgehöhlten Stein zu retten. Du brauchst dafür ein Abrichtwerkzeug, das gröber und härter ist als dein Stein, und einen Bleistift.
Warum Steine hohl werden
Wassersteine schleifen, weil ihre Bindung beim Schleifen zerfällt und frisches Schleifkorn freilegt. Dabei verliert der Stein Material, und zwar dort am meisten, wo du am häufigsten schleifst: in der Mitte. Weiche und grobe Steine nutzen sich schneller ab als harte und feine. Laut Shapton beginnt die Verformung schon mit der ersten Benutzung.
Was ein hohler Stein anrichtet
- Der Winkel ändert sich mitten im Zug. Die Klinge kippt in der Mulde, die Fase wird ungleichmäßig.
- Die Schneide wird rund. An manchen Stellen schleifst du zu viel, an anderen zu wenig.
- Das Profil verzieht sich. Auf Dauer bekommt die Schneide eine Delle oder einen Bauch, wo keiner hingehört.
- Entgraten wird schwierig, weil die feine Seite den Grat nicht gleichmäßig erreicht.
Küchenmesser verzeihen eine leichte Mulde eher als Hobeleisen. Trotzdem gilt: Je länger du wartest, desto mehr musst du später abtragen.
So prüfst du
- Lineal und Licht: Ein gerades Lineal längs, quer und diagonal auf den Stein legen und gegen das Licht halten. Siehst du einen Spalt, ist der Stein hohl.
- Bleistiftgitter: Mit Bleistift ein Gitter auf die nasse Oberfläche zeichnen. Beim Abrichten verschwinden die Linien zuerst an den hohen Stellen. Sind alle Linien weg, ist der Stein plan. Keinen Filzstift nehmen, die Tinte zieht in den Stein.
Das Werkzeug
Das Abrichtwerkzeug muss gröber und härter sein als der Stein, zum Beispiel ein 220er für einen 1000er.
| Werkzeug | Preis ca. | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Abrichtstein (Siliziumkarbid, z. B. Naniwa 220) | 24 € | günstig, einfach | nutzt sich selbst ab, muss gelegentlich mitabgerichtet werden |
| Diamantplatte (z. B. Atoma 400) | 60–105 € | bleibt plan, schnell, langlebig | teurer, am Anfang grobe Kratzer |
| Schleifpapier auf Glas oder Granit | gering | flexibel, billig | langsamer, Papier verbraucht sich |
| Stein gegen Stein | – | kein Zusatzkauf | nur mit ähnlichen Körnungen sinnvoll |
Preise bei knivesandtools, abgerufen im Oktober 2026.
Für den Einstieg reicht ein Abrichtstein für rund 25 Euro. Eine Diamantplatte lohnt sich, wenn du mehrere Steine hast oder harte Steine nutzt. Die Atoma 400 gilt als guter Allrounder.
Widerspruch beim Schleifpapier: Viele Händler empfehlen nasses Schleifpapier auf einer Glasplatte. Shapton rät davon ab, weil Papierreste die Oberfläche zusetzen können und die Klinge dann rutscht. Bei Shapton-Steinen hältst du dich also an Diamant oder Abrichtstein.
Schritt für Schritt
- Stein vorbereiten: wie beim Schleifen nass machen (Einweichstein wässern, Splash-and-go-Stein anfeuchten) und rutschfest hinlegen.
- Gitter zeichnen mit Bleistift.
- Abrichten: Den Abrichtstein oder die Diamantplatte mit leichtem Druck über den Stein führen. Kreise, Achten oder diagonal vor und zurück. Wichtig ist, dass du die ganze Fläche bis in die Ecken erreichst.
- Viel Wasser: zwischendurch abspülen, damit sich der Schlamm nicht festsetzt.
- Kontrollieren: Alle paar Züge schauen, wo noch Bleistift ist. Fertig, wenn alle Linien weg sind.
- Kanten brechen: Mit ein paar Zügen über die Kanten fasen, damit sie nicht ausbrechen und die Klinge nicht beschädigen. Das empfehlen Praktiker, Herstellerangaben dazu habe ich nicht gefunden.
- Abspülen und trocknen lassen.
Wie oft?
Die meisten Quellen raten: wenig und oft. Nach jeder Schleifsitzung ein, zwei Minuten abrichten, und der Stein bleibt dauerhaft plan. Shapton empfiehlt sogar, bei jedem Schärfen abzurichten.
Wenn dir das zu viel ist, gilt grob: grobe Steine nach ein bis zwei Sitzungen, mittlere nach zwei bis vier, feine nach vier bis sechs. Diese Richtwerte stammen von einem japanischen Händler und sind nur eine Orientierung.
Kombisteine
Bei einem Kombistein (z. B. 1000/6000) richtest du beide Seiten getrennt ab. Die feine Seite ist oft dünner. Arbeite dort mit wenig Druck, damit du sie nicht unnötig verbrauchst. Belastbare Herstellerangaben dazu habe ich nicht gefunden, das ist eine Vorsichtsregel.
Wie du überhaupt schleifst, steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung, welche Steine sich lohnen, in Schleifsteine kaufen.
Quellen
- knivesandtools: Schleifsteine pflegen
- knivesandtools: Abrichtblöcke (Preise)
- Shapton Kuromaku FAQ (PDF)
- Shapton: Diamond Lapping Plate – Anleitung (PDF)
- Sharpening Supplies: How to flatten a waterstone
- Sharpening Supplies: How often should I flatten my water stones?
- Hasu Seizo: How to flatten a whetstone
- Science of Sharp: Diamond plate break-in
- Japanese Tool Australia: Flattening waterstones